Ethik und künstliche Intelligenz – Wie passt das zusammen?

Ob in dystopischen Romanen oder Sci-Fi Filmen, deren Plots bei den meisten Menschen für eine Gänsehaut sorgen: Fast jeder kennt das fiktionale Szenario einer außer Kontrolle geratenen KI. Mal hat sie die Menschheit unterjocht, mal verändert sie die Welt zu Ungunsten der Menschheit, obwohl sie eigentlich genau das Gegenteil tun sollte.

Auch wenn die KI-Forschung mit solchen Szenarien noch nicht in naher Zukunft rechnet, so ist es bereits breiter Konsens, dass wir Regeln für den Einsatz und die Gestaltung künstlicher Intelligenz brauchen. In diesem Artikel stellen wir euch vor, wie die Themen Ethik und KI zusammenpassen und welche aktuellen Entwicklungen es in diesem Bereich gibt.

Roboterethik: Welche Gedanken sollte sich die Menschheit machen?

Der vermutlich erste Mensch, der sich mit einer Art Kodex oder Gesetzgebung für Maschinen beschäftigt hat, war Isaac Asimov. In einer Kurzgeschichte von 1942 schuf er dazu die Robotergesetze – 3 „Grundregeln des Roboterdienstes“.

Das Ziel dieser Gesetze ist es, Schaden von einzelnen Menschen und der Menschheit durch Roboter zu verhindern. Überlegungen logischer und philosophischer Natur haben über die Zeit aber leider gezeigt, dass diese Grundregeln allein besagtes Ziel nicht komplett erfüllen können und zu Paradoxien führen. Es scheint, als bräuchten Ethik-Grundsätze für KIs eine durchdachtere und komplexere Struktur.

Die erste internationale Veranstaltung für diesen Themenkomplex wurde daher schon 2004 abgehalten und die ethische Bewertung von Robotern seitdem in einer Roadmap je nach Stand der Technik klassifiziert. Das reicht von „Roboter sind nichts als Maschinen“ (und erfordern daher keine wirkliche ethische Betrachtung) hin zu „Roboter sind eine neue Spezies“ (und werden damit die menschlichen Dimensionen der Moral sogar überschreiten).

Viele Menschen sind der Meinung, dass moralische Fragen für KIs erst von Bedeutung sind, wenn diese einen freien Willen haben. Dies ist aber nicht korrekt, denn KIs können auch moralisch fragwürdig handeln, ohne sich bewusst dafür zu entscheiden. KI-gestützte Waffensysteme werfen solche Fragen auch heute schon auf und sind mit Sicherheit Teil der derzeit umstrittensten Technologien. Auch Fragen der Haftung bei Fehlverhalten von „intelligenten“ Robotersystemen sind heute schon umfassendes Thema der Rechtsprechung.

Das Thema Roboterethik in seiner Gänze ist in jedem Fall sehr polarisierend und komplex – und sprengt damit leider den Rahmen dieses Abschnitts. Anders als der Name des Themas zunächst vermuten lässt (ethischer Umgang mit Robotern), gilt es aber für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte grundlegende Gesetzmäßigkeiten aufzustellen, die eine von Robotern (mit-)beherrschte Gesellschaft für Menschen ethisch möglichst einwandfrei werden lassen.       

Die Grundproblematik ist dabei: Wie können wir dafür sorgen, dass KIs als Motivation das Wohl der Menschheit behalten und wie können wir kontrollieren, dass das so ist?

Was passiert aktuell in diesem Bereich?

Ein sehr aktuelles Thema ist die Diskriminierung von Menschen durch Algorithmen künstlicher Intelligenz. Zu diesem Thema erschien erst kürzlich eine Netflix-Dokumentation und aktuell produziert ein Facebook-Algorithmus Schlagzeilen, da er schwarze Menschen mit Affen verwechselt hat.

Dass Diskriminierung ethisch verwerflich ist, steht zum Glück heute eigentlich nicht mehr zur Debatte. Dass diskriminierende Vorurteile eigentlich überall noch anzutreffen sind, ist leider aber noch immer die Realität. Für KIs bedeutet das: Menschliche Diskriminierungen und Vorurteile sind Teil der Datenbasis, aus der KIs lernen, was wiederum dazu führt, dass KIs die Vorurteile von Menschen antrainiert werden. Ein gravierendes Problem, denn statt Diskriminierung weiter auszumerzen, manifestieren wir Menschen sie in unseren Maschinen. Die Frage wie dieses Problem aus der Welt geschafft werden kann, (bspw. durch andere Lern-Daten) wird die Forschung deshalb sicher noch eine Weile beschäftigen.

Ebenfalls brandaktuell ist die Frage, wie KIs mit moralischen Dilemmata umgehen sollen, mit deren Lösung wir Menschen uns bereits schwertun. Das Thema „autonomes Fahren“ ist da sicherlich ein Musterbeispiel.

Ein Auto gerät außer Kontrolle und kann sich nun entscheiden, wen es (potenziell tödlich) überfährt: Eine Gruppe Senioren oder ein Kleinkind. Dieses Problem müssen wir uns hier zum Glück nur abstrakt ausmalen, für ein autonom fahrendes Auto wird es unter Umständen bittere Realität. Ein autonom fahrendes Auto kann solche Abwägungen nicht treffen, was bedeutet, dass Menschen vorher die Entscheidung für derartige Situationen in das System programmieren müssen. Der Umgang mit diesen Problemstellungen ist deshalb ein Problem, mit dem sich die Forschung beschäftigt.

Ein weiteres Dauerthema im Bezug auf die ethische Problematik von KI-Algorithmen ist eher allgemeiner und politischer Natur: Wie sehr unterstützen KIs die Bildung von Filterblasen in sozialen Netzwerken und wie sehr schaden diese „Bubbles“ dem demokratischen Diskurs? Spätestens die Wahl von Donald Trump und die sehr gezielte Wahlwerbung durch das Unternehmen Cambridge Analytica hat gezeigt: Gezielte Ansprache von Menschen nach ihrer Persönlichkeit ist sehr gut möglich – ebenso wie die Beeinflussung der politischen Willensbildung durch besonders gezielte Wahlwerbung.

Insgesamt zeigt sich klar: KI hat nicht an sich einen bösen Willen. Es kommt darauf an, ob wir Menschen den Willen dazu haben, KI moralisch gut einzusetzen. Zu diesem Zweck haben führende KI-Forscher auch schon mehrere offene Briefe geschrieben, in denen sie dazu auffordern, das Thema weiter in den Fokus der politischen und öffentlichen Debatte zu rücken.

Natürlich passiert noch viel mehr in Sachen „KI und Ethik“. Bei spannenden aktuellen Entwicklungen halten wir euch hier in unserem Logbuch auch weiter auf dem Laufenden!

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